August 2006


Da ich in meiner Berichterstattung etwas im Rückstand liege, was auf mein momentanes stressreiches Arbeitsleben und auf einen unvorhergesehenen grippalem Infekt zurückzuführen ist, werde ich wenigstens der Vollständigkeit halber rekonstruieren, was in Berlin vor dem Zoo-Besuch außerdem geschehen ist.

Unten : Markus schließt die Haustür zu seiner momentanen Zweitwohnung auf. Ein typisches Treppenhaus in einem typischen berliner Hinterhaus. Die Treppenstufen knarzen, genauso, wie die Dielen in der Wohnung, die man nur mit Puschen betreten darf.
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Viele Wege in Berlin führen über den neuen Hauptbahnhof. Dort kommt man an, wenn man die Hauptstadt besuchen will und fährt auch wieder ab, wenn man in den Rest der Republik dem Moloch wieder entfliehen möchte. Entgegen meiner Befürchtungen, kann man sich aber gar nicht darauf verirren. Trotzdem erweckt die Anordnung der Gleisebenen in Schichttortenmanier anstatt eine Ausdehnung in die Fläche, den Eindruck, man wollte hier möglichst platzsparend einen gigantischen Bahnhof errichten. Groß ist er, aber schön eher nicht.

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Kultur stand natürlich auf dem Programm. Die weiten Wege schreckten mich jedoch oft davon ab, zuviel an einem Tag zu unternehmen. Einer der Programmpunkte, di ich tatsächlich erfüllt habe, war der Hamburger Bahnhof, in welchem momentan die umstrittene Flick-Collection präsentiert wird. Beuys gab es dort natürlich auch, sogar sehr viel Beuys. Pflichtbewusst habe ich auch dessen Werke umlaufen. Dennoch liegt mein Interesse schon eher bei der Fotografie der Becher-Schule, z.B. von Andreas Gursky.

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Ein niffliges Suchbild : Such den Markus !
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Lösung: er hat sich hinter der linken Schulter eines unechten Gorillas im Berliner Zoologischen Gartens versteckt.

Denn am letzten Samstag war so schönes Wetter, dass wir den Tag ausnutzten und uns zu einem Samstagsausflug in den Zoo entschlossen.

Als Wormser Mädel war es mir schon seit langem ein Anliegen und auch eine Pflicht, die Nibelungenspiele in Worms zu besuchen, die schon ins 5te Jahr gehen. Nun hatte ich es schließlich doch geschafft und Ina kam mit. In jedem Jahr gibt es eine andere neue Inszenierung mit neuen Schauspielern. So gaben in diesem Jahr Yasmin Tabatabei die Kriemhild und Sonja Kirchberg die Isolde. Wer’s nicht weiß - ich wusste es auch nicht : Isolde war Brunhilds lesbische Gefährtin. Nebenbei bemerkt gab es wohl auf Island eine Menge lesbische Frauen, ein Umstand, der sicher nicht nur Siegfrieds feigen Recken, sondern auch nicht wenigen Herren im Publikum gefallen haben könnte. Die von der BLÖD-Zeitung als skandalös angekündigten Szenen erwiesen sich allerdings als erfrischende Auflockerung des Bühnenstücks und hatten eher den frivolen Charakter eine barocken Operette.

Etwas gewöhnungsbedürftig war weniger der Umstand, dass Männer in Bundeswehrmontur oder Frauen in Krankenschwester-Outfits der 1.Weltkriegszeit über die Bühne liefen - so was haut einen nicht mehr um, wenn man ab und zu in letzter Zeit im Theater gewesen ist- , als der lockere Umgang mit der Sage. Hin und wieder gab es komische Einlagen: seien es die Kommentare von Kriemhilds schwulem Bruder oder die Einwürfe in Womser Mundart des kommentierenden André Eisermann. Besonders Letzteres empfand ich eher als störend, als die Geschichte erhellend.

Im großen und ganzen war das Stück sehr kurzweilig, wenn doch aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen - 15 Grad und kalter Wind im Freien- etwas zu lang. Eine Pause folgte erst um halb zwölf. Da war ich schon fast zu durchgefroren, als dass ich mein Sektglas festhalten konnte. Zum Glück hatte Ina eine Wolldecke für uns Ömchens mitgenommen.

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Hier lachen wir noch. Mit Sekt und Selbstauslöser.

Die Inszenierung trug den Untertitel : Siegfried und die Frauen. Und in der Tat hatten die Frauen das Sagen im Stück, und vielleicht ein wenig auch der Hagen. Leider war der im ersten Teil so überzeugend männlich-animalische Westernheld-Siegfried nach 10 Jahren Ehe mit seiner geliebten Kriemhild ziemlich verweichlicht , und auch wenn dieser Wandel zum Plot dazugehören mochte, schön war ein besoffener und leicht zu überwältigender Siegfried nicht anzusehen.

Vielleicht sollten wir Frauen doch nicht immer das letzte Wort haben, sonst bleiben von unseren Männern nur noch Weicheier übrig.

Nachdem sich dieses Buch so gut verkauft hat, sollte man denken, dass selbst die Deutsche Bahn sich ein Herz gefasst und sich die deutsche Grammatik wieder einverleibt haben sollte. Aber wie man an diesem Beispiel deutlich erkennen kann, scheint der korrekte Gebrauch von Dativ und Genetiv in Kreisen der Bahnmitarbeiter am Wiesbadener Hauptbahnhof nicht klar zu sein.

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Kein Fehler entdeckt ? - Beim ersten Hinsehen ist dies auch leicht zu übersehen. Zum Glück fahren mir der Deutschen Bahn beherzte Menschen, die sich nicht scheuten, diesen Fehler zu korrigieren und ihn nicht nur den Bahnmitarbeitern, sondern auch den anderen Mitreisenden vor Augen zu führen. Die korrigierte Version ist unten zu sehen.
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Inas Besuch gab mir den Anlass, dem Schillerplatz einen Besuch abzustatten und die Lokalitäten dort zu erkunden. Vor einiger Zeit noch war der Schillerplatz eigentlich kein Ort zur Freizeitgestaltung. Außer hochpreisigen Boutiquen, einem ebenso hochpreisigem Fotografen und einer Bank war im Schatten des Schillerdenkmals nämlich nichts, was des Aufsuchens wert gewesen wäre.

Da hatte sich in punto Stadtentwicklung tatsächlich etwas getan, obschon ich der Ansicht bin, dass sich die Stadt in solche Örtlichkeiten aufteilt, die von Mainzern und solche, die von Nicht-Mainzern aufgesucht werden. Der Schillerplatz ist eher ein Ort für Auswärtige, unter anderem, da er sich an exponierter Stelle befindet.

Vor dem Konzert gönnten wir uns einen Eisbecher in der Gelateria, die erst diesen Sommer dort eröffnet wurde. Meine Arbeitskollegin Katharina schwärmte mir schon Wochen zuvor von diesen Eisbechern vor und outete sich als Speiseeis-Junkie, was aber angesichts dieser fabelhafter Eisbecher leicht entschuldbar ist.
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Oben: Ina mit ihrer Eigenkomposition und viel Schokosauce im Hintergrund/mein Kirschbecher im Vordergrund

Der Abend klang im nur wenige Meter entfernten Schiller aus. Es ist zwar nicht besonders einfallsreich, ein Cafe, das an einem Platz, der nach Schiller benannt wurde, ebenso nach Schiller zu benennen, erscheint aber einleuchtend, da der Platz ja bereits vor dem Cafe schon vorhanden war. Nichts besonderes, aber abends sehr gemütlich und in plüschiges Rot getaucht. Dazu schmeckt am besten ein Kir Royal.
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So ist es wohl immer, wenn am Wahlheimatort ein Großereignis stattfindet. Meistens findet es nämlich ohne einen selbst statt und stattdessen kauft man sich das Berliner Stadtmagazin, um zukünftige Veranstaltungen in der Hauptstadt zu planen. Aber glücklicherweise befreite mich meine Freundin Ina aus dieser prekären Situation.

In den letzen Tagen fand in Mainz das Chor-Festival Europa Cantat statt und Ina als aktive Chorsängerin schlug vor, die Gunst der Stunde zu nutzen und ein Konzert in der nur wenige Fußminuten von zu Hause entfernten Christuskirche zu besuchen. Es wurde ein Requiem für Big Band , Chor und Solisten von Lindberg gegeben. Laut Ina ist der noch lebende schwedische Komponist recht bekannt und sie selbst habe im Chor schon einmal etwas von Nils Lindberg gesungen.

Nun ja, ich bin leider keine Expertin auf dem Gebiet der gelungenen Chorkonzerte und Ina meinte, sie erlaube sich nur ungern ein Urteil über die Sangesleistung anderer Chöre, da man oft kaum die Leistung des eigenen Chores objektiv bewerten kann. Für mich klang alles recht stimmig, was die Sänger und Musiker geboten haben - zumindest so wie ich es nach meinen Erfahrungen in der lange vergangenen Chorzeit beurteilen kann. Die Sänger trafen als Masse gesehen ihre Töne und die Einsätze stimmten. Alle hörten auch gleichzeitig mit dem Endkonsonanten des Sanktu -s auf zu singen. Was ich schon als professionell ansehe. Es handelt sich nämlich um eine Leistung, die mein alter Domchor nicht immer erbrachte. Ina war vielmehr erstaunt darüber, dass in diesem Requiem nur wenige getrauert und geklagt wurde. Ich sag halt nur : Immer dieses neumodische Zeugs, da kommt Unsereins über 30 gar nicht mehr mit. ;-)
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