Gourmet World


Das Yes-Törtchen ist wieder da. Angeblich in limitierter Auflage. Ich habe sie letzte Woche beim Einkaufen im Ausbeuter-Discounter gefunden. Schade, dass es keine mit Nuss-Geschmack gab, stellte Markus mit Bedauern fest, als ich mit den Minitörtchen nach Hause kam.

Jetzt liegen sie bei uns im Kühlschrank und noch traut sich keiner, in den lang vermissten Genuss der Törtchen zu kommen. Hoffenlich vergammeln die nicht, nur weil wir uns die süßen Köstlichkeiten für einen speziellen Anlass aufheben möchten. ;-)

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Die Familienverhältnisse in Markus’ Familie sind ziemlich verworren. So waren wir heute zur Konfirmation des Sohnes des Cousins von Markus eingeladen. Wir nennen diesen Zweig der Familie nur “die großen Leute”. Markus’ Cousin misst ganze 2.12 m. Alle Sprösslinge, denjenigen eingeschlossen der heute seinen Ehrenttag feierte, haben die 1.85 m geknackt. Diese Menschen sind nicht nur unheimlich groß, sie sind auch gleichermaßen nett.

Hann. Münden liegt in einem Teil von Deutschland, in den ich rein aus Gründen der klimatischen Bedingungen nie als Wohnort wählen würde. Dort ist es immer 5 Grad kälter als bei uns und ziemlich dunkel, da in den Tälern zwischen den bewaldeten Hügeln selten die Sonne scheint. Somit hatten wir gar nicht soviel Pech mit dem Wetter heute , denn ab und an waren einige Sonnenstrahlen zu sehen.

Ein Aha-Erlebnis war auf alle Fälle der Altstadtkern von Hann.Münden, der komplett aus Fachwerkhäusern, einem Rathaus im Stil der Weserrenaissance und einem Kirchplatz mit einer Kirche aus grauem Stein besteht. Um mit den Worten meines Mannes zu sprechen: “Sehr pittoresk.”

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Der Gottesdienst war für evangelische Verhältnisse außerordentlich feierlich und hatte - zieht man dessen Länge in Betracht - fast katholische Dimensionen. Auch ist die Kirche nach dem Heiligen Blasius benannt und an verschiedenen Stellen sieht man noch geradezu unevangelische Bilderwelten im Kircheninnenraum.

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Markus und Schwiegerpapa. Im Hintergrund: die wunderschöne Orgel.

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Der Konfirmand mit Eltern und großem Bruder.

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Das Festessen nach dem Gottesdienst fand im Werrastrand Restaurant in Laubach statt. Sehr empfehlenswert und bio zertifiziert. Die Tischdeko und der Erdbeerkuchen zum Kaffee haben sich die Eltern des Konfirmanden bei unserer Hochzeit abgeguckt - haben die doch glatt zugegeben. ;-)

Endlich haben Sören und Jessi es geschafft, nach Aachen zu kommen. Zu diesem Anlass wurde das komplette kulinarische Wochenendprogramm durchgezogen. Ein Höhepunkt war natürlich der Besuch des Lindt-Werkverkaufs, der für die beiden kostspieliger wurde als zuvor gedacht. Bei soviel Schokolade kann man eben nur schlecht nein sagen, vor allem wenn man als Ausrede das bevorstehende Osterfest und das Beschenken der Verwandten und Freude als Alibi vorschieben kann.

Da Aachener Restaurants teilweise bis auf Wochen im voraus ausreserviert sind - zumindest die beliebten, so wie unsere Lieblings-Tapas-Bar, haben wir uns rechtzeitig auf dieses Wochenende vorbereitet und mehr als eine Woche im Voraus Tische in zwei der begeehrtesten Restaurants vorbestellt. Samstags im Finders etwas zu bekommen scheint irgendwie hoffnungslos zu sein, aber uns blieb ja noch der Freitag.

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Hier sieht man Sören und Jessi im Barbecuerestaurant Finders beim Fleischspießewenden am praktischen Tischgrill ( - wäre auch etwas für den Hausgebrauch) betrachten können. Ziemlich heiß wurde es da am Tisch und am Anfang brauchte es etwas Übung den Fleisch-Gemüse-Spieß fachmännisch anzurichten. Nach einer Weile hatten es alle geschafft, einen fertigen Spieß über die Lavasteine zu hängen. Da ich es aber als einzige schaffte, Champignons so aufzuspießen, ohne dass sie zerbrachen, war ich wohl unschlagbare Champignonette.

Am nächsten Abend wurde es edler. Wir gingen ins RED. Edel, minimalistisch und rot die Innengstaltung dazu psychodelische Bespiegelung der einander gegenüberliegenden Seiten - fast wie inner Disse. Das Essen war superb und natürliche eine ganz andere Liga als beim Selbstgrillen. Dazu eine feine Weinauswahl und auch die Antialkoholika waren was anderes als anderswo. Angenehm war auch die Bedienung, die aufmerksam, aber nie lästig war. Ich freue mich schon auf die neue Karte (die wechselt nämlich alle paar Wochen), die es vermutlich Anfang März geben wird, um erneut so ausgesucht zu speisen bzw. lecker zu essen.

Aber auch schon vormittags wurde ausgiebig geschlemmt: am Samstag mitten in der Stadt im ältesten Cafe Aachens, dem Van den Daele, und am Sonntag im Cafe Liege in Stolberg, einem verschlafenen Städtchen bei Aachen, dass aber über ein herrliches Frühstückscafe verfügt. Man bekommt dort alles, was des Frühstückers Herz begehrt, inklusive Pfannkuchen und Latte Macchiato.

Was für ein leckeres Wochenende. Hmmm.

Seit Dienstag dieser Woche findet in Mainz eine Veranstaltungsreihe zum Thema Geschmack und Genuß beim Essen unter dem vielversprechenden Namen “Projet Gout” im Institut Francais statt. Die Veranstaltungen kreisen wie der Name schon sagt alle um “Gutes Essen” oder was man eben darunter versteht. Die interdisziplinäre Beschäftigung mit diesem Thema gibt natürlich eine Menge her: Essen in der Antike, Essen im Mittelalter, Essen damals und heute, Essen unter physikalischer, philosophischer, künstlerischer, geographischer Betrachtung; einzig die Verquickung von Essen und Liebe blieb ausgespart - wie der französische Generalkonsul zu bedenken gab. Mein Hauptinteresse lag allerdings auf der Eröffnungsveranstaltung. Zum einen, weil eine lebende Vertreterin der sog. “Eat Art” , Dorothée Selz, mit einer eigens für diesen Abend angefertigten Installation aufwartete. Doch obwohl eine Menge der Anwesenden der Aufforderung gleichkam, die Kunst von den Wänden und den Treppenstufen wegzuessen, verursachte bei mir allein der Anblick von blau- und magentafarbenem Brot nur Übelkeit. Auch war mir nicht so recht verständlich, wie man Forellenfilets in Kombination mit kandierten Kirschen oder Brausestäbchen zu sich nehmen kann.

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Abschnitt einer großflächigen Installation auf einer pinkgefärbten Zuckerplatte,
die auf einer der Wände des Salons im 1. Stock des Institut Francais angebracht war.

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Kronleuchter mit süßen Spaghetti

Der zweite und viel wichtigere Beweggrund, diese Veranstaltung zu besuchen, war die Anwesenheit des Gourmetgurus Jürgen Dollase, bekannt aus Presse und Fernsehen, mir zumindest bekannt aus “aspekte” und der Rubrik “Meisterwerke der Kochkunst”. Mein Erfurcht vor dem Meister wurde zumindest in der ersten Hälfte seines recht amüsanten Vortrages bestätigt, bei die “Kochkünste” eines Neandertalers mit dem eine männlichen Singles in der Gegenwart und dieser wiederum mit der eines japanischen Kochs und eines spanischen Ferran Adria verglichen wurden.

Während der Experten-Diskussion mit einem französischen 3Sterne-Kochs und eines weiteren Meisterkochs aus Deutschland (letzteren erkannte ich zwei Tage später beim Durchblättern in einer Gourmetzeitschrift wieder), wandelte sich meine Einstellung gegenüber Herrn Dollase immer mehr. Ich empfand mehr und mehr Mitleid mit diesem armen Menschen, der tagein tagaus von Sternerestaurant zu Sternerestaurant hetzt, mit oder ohne seiner ebenso bemitleidenswerte Frau im Schlepptau (diese bemitleidenswert der Obzession ihres Mannes wegen - sie wird ihm nie eine gute Hausfrau, da keine Sterneköchin, sein können) und wirklich keine Ahnung hat, wie gut ein richtiges Schnitzel mit einem Berg von Pommes und einem kleinem Salat im Baumstammhaus schmecken kann.

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Herr Dollase mit den Herren Sterneköchen in einer Expertendiskussion über “Gutes Essen” jenseits von Gut und Böse