Als Wormser Mädel war es mir schon seit langem ein Anliegen und auch eine Pflicht, die Nibelungenspiele in Worms zu besuchen, die schon ins 5te Jahr gehen. Nun hatte ich es schließlich doch geschafft und Ina kam mit. In jedem Jahr gibt es eine andere neue Inszenierung mit neuen Schauspielern. So gaben in diesem Jahr Yasmin Tabatabei die Kriemhild und Sonja Kirchberg die Isolde. Wer’s nicht weiß - ich wusste es auch nicht : Isolde war Brunhilds lesbische Gefährtin. Nebenbei bemerkt gab es wohl auf Island eine Menge lesbische Frauen, ein Umstand, der sicher nicht nur Siegfrieds feigen Recken, sondern auch nicht wenigen Herren im Publikum gefallen haben könnte. Die von der BLÖD-Zeitung als skandalös angekündigten Szenen erwiesen sich allerdings als erfrischende Auflockerung des Bühnenstücks und hatten eher den frivolen Charakter eine barocken Operette.
Etwas gewöhnungsbedürftig war weniger der Umstand, dass Männer in Bundeswehrmontur oder Frauen in Krankenschwester-Outfits der 1.Weltkriegszeit über die Bühne liefen - so was haut einen nicht mehr um, wenn man ab und zu in letzter Zeit im Theater gewesen ist- , als der lockere Umgang mit der Sage. Hin und wieder gab es komische Einlagen: seien es die Kommentare von Kriemhilds schwulem Bruder oder die Einwürfe in Womser Mundart des kommentierenden André Eisermann. Besonders Letzteres empfand ich eher als störend, als die Geschichte erhellend.
Im großen und ganzen war das Stück sehr kurzweilig, wenn doch aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen - 15 Grad und kalter Wind im Freien- etwas zu lang. Eine Pause folgte erst um halb zwölf. Da war ich schon fast zu durchgefroren, als dass ich mein Sektglas festhalten konnte. Zum Glück hatte Ina eine Wolldecke für uns Ömchens mitgenommen.

Hier lachen wir noch. Mit Sekt und Selbstauslöser.
Die Inszenierung trug den Untertitel : Siegfried und die Frauen. Und in der Tat hatten die Frauen das Sagen im Stück, und vielleicht ein wenig auch der Hagen. Leider war der im ersten Teil so überzeugend männlich-animalische Westernheld-Siegfried nach 10 Jahren Ehe mit seiner geliebten Kriemhild ziemlich verweichlicht , und auch wenn dieser Wandel zum Plot dazugehören mochte, schön war ein besoffener und leicht zu überwältigender Siegfried nicht anzusehen.
Vielleicht sollten wir Frauen doch nicht immer das letzte Wort haben, sonst bleiben von unseren Männern nur noch Weicheier übrig.